Zug fahren in Südafrika
Wenn man Südafrika einmal auf ungewöhnliche Art und Weise kennenlernen möchte, lohnt sich eine Landdurchquerung mit der Eisenbahn. Die Republik besitzt ein Schienennetz von über 23.000 Kilometern und verbindet neben sämtlichen Metropolen wie Johannesburg oder Kapstadt auch viele kleinere Orte im Landesinneren. Außerdem gibt es zu allen angrenzenden Nachbarländern Zugverbindungen. Eine Überfahrt nach Namibia oder Zimbabwe ist demnach problemlos möglich.
Die Geschichte der Eisenbahn in Südafrika begann 1860 als die erste Bahnstrecke von Durban nach Point in der Provinz Natal eröffnet wurde. In den folgenden Jahren wurden dann zügig neue Strecken fertig gestellt. Die Erschließung Südafrikas durch die Schiene war besonders für den Gütertransport von sehr großer Bedeutung. Bis heute ist der schienengebundene Güterverkehr die meist genutzte Art, Waren zu transportieren. Insbesondere die Verbindung zu den verschiedenen Hafenstädten wie Port Elizabeth und East London ist ein wichtiger Stützpfeiler der südafrikanischen Wirtschaft.
Neben Waren und Gütern werden natürlich auch Touristen und Einheimische mit der Bahn transportiert. Für die Südafrikaner selbst ist die Fahrt mit dem Zug eine kostengünstige Alternative zum Flugzeug oder Auto. Der Personenverkehr lässt sich in zwei große Bereiche einteilen. Auf der einen Seite gibt es den regulären Schienenverkehr, den insbesondere die Einheimischen intensiv nutzen und zum anderen haben sich verschiedene Unternehmen auf sogenannte Luxuszüge spezialisiert, die vor allen Dingen Touristen mit Komfort ansprechen wollen. Oftmals bedienen diese Luxuszüge auch touristische Sehenswürdigkeiten auf den unterschiedlichen Strecken.
Zug fahren in Südafrika ist nicht zu vergleichen mit einer Bahnfahrt in Deutschland. Die Ausstattung der Züge kann nicht mit europäischem Standart gemessen werden. Grundsätzlich wird Touristen zu einer Fahrkarte in der ersten Klasse geraten, wenn diese nicht gerade mit einem der berühmten Luxuszüge fahren möchten. Die Preise für eine Fahrt in den regulären Zügen sind sehr günstig. Eine Fahrt von Kapstadt nach Johannesburg kostet bei Shosholoza Meyl etwa 150 Euro im angenehmen Schlafwagen und sogar mit verschiedenen Mahlzeiten inklusive. Wesentlich günstiger ist natürlich ein Ticket für die zweite oder dritte Klasse. Allerdings sollte man sich bewusst sein, dass die Fahrt unter Einheimischen immer ein kleines Abenteuer darstellt. Wer jedoch Land und Leute hautnah erleben möchte, für den kann die zweite oder dritte Klasse interessant sein.
Deutlich teurer als die reguläre Eisenbahn sind natürlich die Luxuszüge privater Unternehmen wie beispielweise „Blue Train“ oder „Rovos Rail“. Für das Hotel auf Schienen bezahlt man gut und gerne 1000 Euro und mehr, wenn man eine einfache Fahrt von Kapstadt nach Johannesburg buchen möchte. Dafür wird einem aber auch jede Menge Komfort und Service geboten. Beim Blue Train etwa, der auch nach Namibia und zu den Victoriafällen an der Grenze zwischen Simbabwe und Sambia fährt, wird luxuriöses Reisen großgeschrieben. In den Abteilen befinden sich Teppichböden und schalldichte Fenster. Jedes Zimmer verfügt über ein eigenes Bad, Telefon und Klimaanlage. In den höchsten Buchungsklassen gibt es sogar richtige Badewannen und einen eigenen Fernseher. Die exklusiven Mahlzeiten an Bord sind natürlich im Preis inbegriffen und auch die Zigarre danach kann kostenfrei in der eleganten Lounge genossen werden. Schach und Backgammon sorgen für eine ausgelassene, aber stilvolle Atmosphäre. Wer möchte, kann auch zum Einkaufen in die Zugboutique gehen und dort wertvollen Schmuck erwerben. Der Service im Blue Train ist selbstverständlich überragend. Die Butler lesen den Gästen jeden Wunsch von den Lippen ab und sorgen sich jederzeit um deren Wohl. Auf Anfrage bringen sie auch Snacks und Erfrischungen in die Zimmer und Suiten oder kümmern sich um die schmutzige Wäsche der Reisenden. Im Jahr 2009 wurde der Blue Train als luxuriösester Zug der Welt ausgezeichnet.
Neben den regulären Fernverkehrszügen und den Luxusvarianten gibt es auch mehrere regionale Zugverbindungen, die hauptsächlich in den Stadtgebieten der großen Metropolen wie Pretoria oder Kapstadt verkehren. Aufgrund der hohen Kriminalitätsrate sollten Touristen den Nahverkehr um Johannesburg allerdings meiden.
Eine Besonderheit in Südafrika ist der Gesundheitszug „Phelophepa“. Das Wort bedeutet soviel wie „gute, saubere Gesundheit“ und setzt sich aus den afrikanischen Sprachen Tswana und Süd-Sotho zusammen. Seit 1994 fährt diese „Klinik auf Schienen“ jedes Jahr neun Monate lang quer durch Südafrika, um kranken Menschen zu helfen. Insgesamt stehen 16 Wagen für die ärztliche Versorgung bereit. Der Zug wird insbesondere für die ländliche Bevölkerung eingesetzt, die nur selten und mit viel Aufwand in eine der großen Metropolen des Landes kommen kann.
Neben der medizinischen Grundversorgung werden im Gesundheitszug auch verschiedene Spezialuntersuchungen durchgeführt. Dazu gehören beispielsweise Zahnuntersuchen und psychologische Hilfsangebote. Außerdem verfügt das rollende Krankenhaus auch über ein eigenes Labor und eine eigene Röntgenmaschine. Der Ablauf in den kleinen Orten, die der Zug anfährt, ist stets gleich. Am ersten Tag werden rund um den Phelophepa Zelte und Wartezonen eingerichtet. Danach hat die Bevölkerung etwa vier Tage Zeit, sich untersuchen zu lassen. Das Team des Gesundheitszuges besteht aus Fachärzten, Sicherheitspersonal und Medizinstudenten. Finanziert wird das Unternehmen von der Eisenbahngesellschaft Transnet, die überwiegend in staatlicher Hand ist. Darüber hinaus wird der Phelophepa von der Universität Johannesburg und verschiedenen anderen Unternehmen getragen. Trotz der vielen Unterstützer wird nach weiteren Sponsoren gesucht, denn die finanziellen Mittel reichen nicht aus.
Einheimische, die sich behandeln lassen wollen, müssen eine kleine Zuzahlung leisten. Die Preise des Gesundheitszuges sind aber äußerst moderat. Eine Brille kostet umgerechnet etwa 2,50 Euro und für Medikamente bezahlt man einen Euro. Für die Menschen auf dem Land ist der Phelophepa häufig die einzige Möglichkeit, ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. Bei schwerwiegenderen Problemen wie etwa chronischen Beschwerden werden die Patienten aber zur Behandlung in das nächste Hospital verwiesen. Denn nicht alle Krankheiten können in der Klinik auf Schienen behandelt werden.
Die Eisenbahn in Südafrika ist also nicht nur ein touristisches Highlight. Sie steht auch für die Wirtschaftlichkeit des Landes und leistet mit dem Phelophepa einen wichtigen Beitrag zur medizinischen Versorgung der Bevölkerung.
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