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Vom Kap bis zum Krüger - Teil 1: Nach der Landung in Kapstadt

Ein Reisebericht von Erwin Göstl:

Wenn alles funktioniert, ist die Wild Card von Sanparks – der südafrikanischen Nationalparkverwaltung – eine feine Sache. Man berappt einmal im Jahr einen festen Betrag und hat damit die so genannte Conservation Fee, die Eintrittsgebühr für die südafrikanischen Nationalparks, vom Tag der Ausstellung an gerechnet, für ein Jahr bezahlt. Damals, Mitte Oktober 2010 waren das umgerechnet etwa 120 Euro. Soweit zur Theorie und zu der bis dahin gängigen Praxis. Als ich das begehrte Stück für meine Gäste am Flughafen in Kapstadt abholen wollte, musste ich zu meinem Erstaunen feststellen, dass Sanparks ganz kurzfristig den Vertrag mit der Gesellschaft gekündigt hat, welche die Karten herstellt und vertreibt. Für heute ist ohnehin keine Fahrt in einen Nationalpark geplant und so werden wir das Problem eben in den nächsten Tagen lösen.

Die Zollabfertigung war zügig und ich kann Andreas - meinen Ansprechpartner, seine Frau und zwei befreundete Ehepaare in bester Urlaubslaune begrüßen. Über den Settlers Way fahren wir die ca. 30 Kilometer zu unserem Hotel in Somerset West am Fuße des Helderberges, der wiederum zur Gebirgskette der Hottentots-Holland-Berge gehört.

Der Ort entwickelte sich bereits ab dem 17. Jahrhundert entlang dem Lourensrivier um die Farm Vergelegen herum, deren ursprüngliche Gebäude um 1672 auf einem Gelände entstanden, welches die Niederländisch-Ostindische-Compagnie (VOC) von einheimischen „Hottentotten-Kapitänen“ aufgekauft hatte – zunächst um dort eine Rinderzucht-Station zu betreiben. Das Herrenhaus von Vergelegen, was auf Niederländisch „weit außerhalb gelegen“ bedeutet, wurde im 17. Jahrhundert unter Willem Adriaan van der Stel errichtet, der von 1699 bis 1707 Gouverneur der Kapkolonie war. Er war der Sohn jenes weitaus bekannteren Simon van der Stel, dem Namensgeber der späteren Universitätsstadt Stellenbosch. Willem Adriaan jedoch war ein eher undurchsichtiger Charakter. Einerseits war er gebildet und engagiert in Gartenbau und Landwirtschaft, Verfasser des ältesten Gartenbau-Almanachs Südafrikas und er war sehr erfolgreich in der wirtschaftlichen und kulturellen Entwicklung der Kapkolonie. Andererseits galt er als korrupt und war wegen seiner Gier und Skrupellosigkeit gefürchtet – in weiten Kreisen sogar verhasst. Nach einer lokalen Revolte sogenannter Freibürger, wurde er 1707 von der VOC seines Postens enthoben und in die Verbannung geschickt – zurück in die Niederlande.

Fast einhundert Jahre später, im Jahre 1806, wurde die Kapkolonie, nach einigem hin und her endgültig britisch und 1819 wurde die Ansiedlung um das Gut Vergelegen herum, nach dem amtierenden und nunmehr britischen Gouverneur, Lord Charles Henry Somerset benannt. 1825 folgte noch das Suffix „West“, um den Ort von Somerset East zu unterscheiden, das weit im Osten der Kapkolonie gelegen war. Seit den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts ist Somerset West nun Teil der Großgemeinde Kapstadt. Sie sollten es jedoch keinesfalls versäumen, Willem Adriaan van der Stels altes Gut, Vergelegen zu besuchen, das mit seinen historischen Gebäuden und einem vorzüglichen Restaurant inmitten einer herrlichen Parkanlage liegt. Für diejenigen, die sich nach dem Lunch noch bewegen können, lädt nebenan der Erinvale Golf Course zu sportlicher Betätigung ein.

Jedenfalls hat es mich auch an diesem Nachmittag wieder in höchstes Erstaunen versetzt, bei welchen Wassertemperaturen Reisende aus Mitteleuropa in den Pool springen. Ich habe mich derweilen lieber den Schmankerln gewidmet, die Simone, die Wirtin des Cape Khamai Guest Houses auf Ihrem Buffet ausgebreitet hatte. Dem Wein musste ich leider entsagen – aus gutem Grund, denn wir wollten die Küstenstraße noch ein Stück in Richtung Hermanus fahren. Mit etwas Glück sehen wir sogar Wale, was um den 20. Oktober herum durchaus noch möglich ist. Es gibt allerdings eine Sache, über die unter Einheimischen wie Touristen viel diskutiert wird: Welche Straße ist denn nun grandioser? Der weltberühmte Chapman’s Peak Drive oder die nicht ganz so bekannte Straße von Gordon’s Bay in Richtung Hermanus? Wir haben uns dazu entschlossen, diesen Glaubensstreit elegant zu umgehen und beide Straßen zu fahren – natürlich nicht beide an einem Tag.

Wir hatten es geschafft, relativ zügig loszufahren und sollten deshalb auf unserem Kurztrip auch etwas Zeit finden, da und dort etwas zu verweilen. In Gordon’s Bay lockte uns eine Cafeteria, die ein Stammlokal der Surfer zu sein schien, mit vorzüglichem Eisbechern und einem ganz besonders vorzüglichen Service. Besonders der attraktive Kellner schien es den mitreisenden Damen angetan zu haben, wogegen es nach unserer Weiterfahrt die Männer waren, die schon nach wenigen hundert Metern eine kurze Pause einlegen wollten. Das war am Bikini Beach und es lag wohl daran, weil sich ganz in der Nähe und fast in Sichtweite, jene große und allseits bekannte „Walfisch“-Informationstafel befindet...

Ich sehe den Sonnenstand und beginne zu drängeln. Wir müssen weiter! An der Küstenstraße hinter Roman Point erleben wir zwischen dem Felsstrand der False Bay und dem Koëlberg eine jener großartigen Landschaften, die man mit eigenen Augen gesehen haben sollte, weil selbst Bilder sie nur unvollständig beschreiben können. Einziger Wermutstropfen: Keine Wale – jedenfalls nicht heute. Die Enttäuschung meiner Mitreisenden hielt sich allerdings in Grenzen, weil wir kurz hinter Kleinmond auf das Gelände des Arabella Golf Estate eingebogen sind, das zum Schörghuber-Paulaner-Imperium gehört. Golfparadies und Luxusherberge mit einmaliger Poollandschaft. Wir genießen die herrliche Aussicht von der Terrasse über den gepflegten Park und das Botrivier Vlei – die Berge gegenüber der Lagune im Hintergrund. Dazu gibt es Paulaner Weißbier aus der Hausbrauanlage in Kapstadt.

All zu lange können wir selbst hier nicht verweilen. Es ist schon spät am Nachmittag und die Zeit zerrinnt. Wir genießen die Landschaft im Vorbeifahren: das Bot River Valley und die Gebirgs-Szenerie entlang der N2 in Richtung Sir Lowry’s Pass. Als wir dort ankommen, haben die ansonsten allgegenwärtigen Devotionalienhändler den Parkplatz an der Passhöhe bereits verlassen – es empfängt uns ein scharfer, peitschender Wind. Ich empfinde es als schneidend kalt und verstehe, warum die Kunstexperten ihre afrikanischen Schnitzereien eingepackt haben und nach Hause gefahren sind. Meine Mitreisenden hingegen laufen in dünnen Hemdchen herum und bekommen nicht mal Gänsehaut... Der Ausblick von oben ist allerdings gigantisch: Halblinks von uns liegt die False Bay mit der Kaphalbinsel und geradeaus sehen wir über die Cape Flats mit dem Tafelberg im Hintergrund. Wir müssen die Augen zusammenkneifen, denn die Sonne steht schon tief über dem Atlantik.

Das ist unser Zeichen: Im Cape Khamai liegen bereits Rumpsteaks, Lammrippchen und Straußenfilets auf dem Rost.

Und morgen geht es auf den Tafelberg und in die City Bowl!

Fortsetzung folgt...

Fotos: Erwin Göstl, Kurt Feissli, Andreas Kaschowitz, Dieter Beier
Bilder: 
Vom Kap bis zum Krüger - Teil 1: Nach der Landung in Kapstadt
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